Dienstag, 3. März 2020, 18:30 Uhr, Vortragssaal nhm, Vortrag
Museumseingang ist ab 18:15 Uhr geöffnet

Bettina Wurche, Journalistin und Biologin

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Wale in der Wüste, Evolution der Wale

Die Wiege der Wale steht am Fuße des heutigen Himalaja, im einstigen Tethys-Meer. In den letzten Jahrzehnten sind in Pakistan aufsehenerregende Entdeckungen gemacht worden, die die Wale als eine Gruppe innerhalb der Huftiere einordnen. Wie es danach mit der Entwicklung der Wale weiterging, ist in den Meeresablagerungen der Fayum-Oase Ägyptens zu entdecken: Hier lebten Urwale wie der legendäre Basilosaurus isis, der als Seeschlange in die Forschungsgeschichte einging.

In der Pisco-Formation der Küstenwüste Perus sind 12 Millionen Jahre alte fossile Wale in dreidimensionaler Erhaltung zu finden. Einige dieser Fossilien sind den heutigen Arten und Gattungen bereits sehr ähnlich. Andere geben Rätsel auf: Was soll man von dem Walross-Wal Odobenocetops halten, dessen Schädel dem der Delphine gleicht und gleichzeitig zwei Hauer wie ein Walross hat? Der Star unter den peruanischen Walfossilien ist Leviathan melvillei, ein 15 m langer Pottwal mit dem Gebiss eines Raubwals. Aus Chile gibt es Aufsehen erregende fossile Wal-Massenstrandungen, die auf eine Giftalgen-Katastrophe im Miozän hinweist.

Im deutschen und dänischen Tertiär markieren Wale den früheren Spülsaum der Ur-Nordsee. Fossilienfunde im Glimmerton von Groß-Pampau bei Lübeck und Gram in Dänemark erlauben einzigartige Einblicke in die frühe Nordsee-Wal-Fauna: verschiedene Bartenwal-Arten, Pottwale mit Zähnen im Ober- und Unterkiefer und Delphine haben hier einst gelebt.

Keine Wal-Fossilien gibt es bislang aus dem Mainzer Becken, einem tertiären Arm der Ur-Nordsee mit reichhaltigen Fosslifunden eines ganzen marinen Ökosystems. In einer anschließenden Diskussion wollen wir nach Erklärungen suchen, woran das liegen könnte.