„Auf den Zahn gefühlt: was fossiler Zahnschmelz über frühmenschliche Ernährungsweisen verrät“

Dienstag, 5. Juli 2022, 18:30 Uhr, BBB-Online-Treffen

Dr. Tina Lüdecke, Group Leader,
Emmy Noether Group for Hominin Meat Consumption (HoMeCo)
Max Planck Insitute for Chemistry (MPIC) Mainz

Es wird angenommen, dass der Erfolg des Menschen auf seine sehr hohe Flexibilität zurückzuführen ist. So haben sich unsere frühen Vorfahren vermutlich schon vor Millionen Jahren an ständig wechselnde Umweltbedingungen angepasst. Insbesondere der Verzehr tierischer Produkte wird als Schlüsselereignis für die menschliche Evolution und den Erfolg der Gattung Homo angesehen. Bislang fehlen jedoch anerkannte, direkte Nachweise dafür wann Vor- und Frühmenschen angefangen haben, Fleisch zu verzehren.

Um die Ernährung von frühen Vertretern der Gattungen Homo und Australopithecus zu rekonstruieren, führen Dr. Tina Lüdecke und ihr Team geochemische Analysen mit einer von ihnen neu entwickelten Methode an bis zu vier Millionen Jahren altem Zahnschmelz durch. Dieser ist als die härteste und verwitterungsbeständigste Substanz im Körper am besten fossil erhalten und hier gilt: „Du bist, was du isst“. Der isotopische Fingerabdruck wird von einem Individuum zu Lebzeiten aufgebaut und verrät noch Millionen Jahre danach, welche Pflanzen es konsumiert hat, ob es frisches oder abgestandenes Wasser getrunken hat, und auf welcher Stufe es im regionalen Nahrungsnetz stand. Tina Lüdecke führt Sie durch die Welt der Stickstoff-, Kohlenstoff- und Sauerstoffisotopengeochemie, und geht der Frage auf den Grund ob wir durch Fleischkonsum Mensch geworden sind - und warum wir trotzdem nicht alle zur Paläo-Diät wechseln sollten.